Menschen: Werner Heumüller
Im Auftrag der Lokalredaktion des “Warsteiner Anzeiger” hat der Warsteiner Texter Udo Schmallenberg “seine Brille” aufgesetzt und damit einen Blick auf interessante Leute mit teils widersprüchlichen Lebensgeschichten riskiert. Im Rahmen einer 12-teiligen Serie sollen weitere Warsteiner “Profile” erstellt werden. Zum Auftakt der Serie fand ein Gespräch mit dem ehemaligen Dirketor der Warsteiner Volksbank statt. Werner Heumüller ist 10 Jahre nach der “Warsteiner Bankenkrise” als Manager erfolgreicher denn je – und immer noch Warsteiner.
Finanzkrise ist das Wort des Jahres 2008 – zehn Jahre zuvor hatte man an der Wäster schon einmal eine Bankenkrise erlebt. Damals hatte Werner Heumüller als Direktor der Warsteiner Volksbank zu lange und zu übereifrig Kredite an Warsteiner Unternehmen gewährt. Am Rand der Zahlungsunfähigkeit angelangt, zogen die Aufsichtsgremien im Verlauf der “Kreuzigungssitzung” die Notbremse, setzten Heumüller vor die Tür und fuhren fortan fremdgesteuert eine Politik, in der unternehmerisches Wagniskapital bis zum heutigen Tag ein Fremdwort blieb.
Böse Zungen behaupten, dass dieser neue Kurs damals der Anfang vom Ende war und auch dafür verantwortlich bleibt, dass die Warsteiner Hauptstraße 2009 so aussieht wie sie aussieht: Arm und verlassen – immer irgendwie wie am Tag nach Rosenmontag! In einer Villa am Warsteiner Rüllweg berühren sich die Krisen von damals und heute. Wir sprechen im Büro von Werner Heumüller über Warstein, die Volksbank und das Leben eines Managers. Im neuen Jahr werden guten Ideen die Mittel versagt bleiben, weil übereifrige Bänker falsche Entscheidungen trafen. Aber im Gegensatz zu damals gibt es einen gewaltigen Unterschied. Das Handeln der Bänker damals war von einem sozialen Gewissen geprägt, dessen Existenz 2009 nicht mehr als ein Weihnachtsmärchen ist.
Werner Heumüller ist immer noch Warsteiner, blickt selbstkritisch, aber auch analysierend auf die damaligen Ereignisse zurück. Er spricht über die Geister, die ihn damals trieben und bis heute nicht verlassen haben und darüber, dass ein Mensch ist wie er ist, und dass ein Mensch sich entwickelt.
“Damals habe ich mich maßlos überschätzt!”
Heumüller sieht ein, dass viele seine Pläne entweder mit der Finanzdecke der Volksbank nicht zu realisieren waren und er im Willen Richtiges zu tun auch übermotiviert agierte. Aber als ganz verloren mag er die Millionen von damals nicht abschreiben. Klar fehlte das Geld zur Ausschüttung der Dividende, aber im Gegensatz zur Krise 2008 bereicherte sich niemand: Am Beispiel Menke erklärt er: “Mit dem Geld wurden auch Gehälter bezahlt, Familien konnten Weihnachten feiern, Rechnungen bezahlen” und meint damit: Hier machten nicht Bänker den Goldenen Schnitt. Hier wurde in sozialer Verantwortung gehandelt, so wie es die Statuten seines Arbeitgebers verlangten.
Gut, das Geld ist verloren, aber wenigstens wurde es nicht an raffgierige Bänker verteilt, sondern an Menschen, die Anspruch auf Entlohnung ihrer Arbeit hatten. Problem war nur, dass das Endziel nicht erreicht werden konnte und das schon damals absehbar war. Ein Grund für das zu späte Bremsen war das Fehlen unternehmerischer Kompetenz im Aufsichtsrat, die umso schmerzlicher vermisst wurde, je länger man das Ausscheiden von Albert Cramer nicht durch die Zugänge aus Belecke kompensieren konnte. “Natürlich habe ich Fehler gemacht, das weiß ich heute – aber es war auch niemand da, der mich wirklich kompetent und energisch auf die Gefahr hingewiesen hätte. Man hat mir immer nur applaudiert – und mich dann ans Kreuz geschlagen. Das hat mich wahnsinnig geärgert!” Die Unternehmerbank nach seiner Facon agierte mehr und mehr provinziell als erkennbar wurde, dass der Unterbau für die von Heumüller initiierte Dynamik nicht hielt, was man vom ihm verlangte.
Dann kamen die Kritiker: “Anwälte, Lehrer, Moralapostel, und viele von denen, die vorher an meiner Arbeit partizipiert hatten!”
Was er heute anders machen würde? “Ich würde heute frühzeitig 20 Leute entlasssen, um damit 100 Arbeitsplätze zu retten. Die 20 bekommt man irgendwie unter, die Hundert nicht mehr!” Das Wort Schuld nimmt er im Rückblick immer noch mit spitzen Fingern in die Hand. Die Devise “Arbeitsplätze vor Dividende” war fester Bestandteil seines sozialen Gewissens und Hintergrund seines Handelns – letztendlich waren aber auch die vehement verteidigten Arbeitplätze nicht zu retten.
Werner Heumüller hat sein Büro in der Villa am Rüllweg bezogen. Seine DBS-Gruppe beschäftigt allein am Standort Warstein 25 Mitarbeiter, die unter anderem mit der Verwaltung der Warsteiner Wagu (in Heumüllers Besitz), aber auch mit ausgesourceten Dienstleistungen des Münchner Stahlgruber-Konzerns beschäftigt sind.
Der Manager Heumüller, privat und auch sozial mit Warstein immer eng verwurzelt, schlich sich nicht davon. Irgendwie weiß er, dass es auch Geister waren, die ihn trieben, es einigen Leuten und sich selbst doch noch zeigen zu wollen. Unternehmerische Kompetenz brachte ihm hochrangigste Kontakte.Er bewährte sich in der Abwicklung verschiedenster Aufgaben auf höchster Ebene und gehört heute zu den wichtigstren Managern der Region und weit darüber hinaus. In der Konzernzentrale hat sein Wort Wert. Persönlich hat der Mensch Heumüller mit dieser Stadt gebrochen, die ihn öffentlich ans Kreuz geschlagen hat und ihm noch heute die Schuld an Dingen in die Schuhe schiebt, die er so im Ursprung nicht zu verantworten hat. Das Recht nimmt er sich.
Jemand wie er setzt beim Blick auf Warstein keine wie auch immer gefärbte Brille auf und lässt ausschließlich Logik regieren. Keine Partei, keine private Initiative kann hier helfen, nur der Sachverstand eines ausschließlich unternehmerisch denkenden und handelnden Initiativkreises rund um einen Bürgermeister, der aus der Wirtschaft kommen muss. Die verschiedenen Stadtmarketingaktionen wertet Heumüller nicht gering, aber er bleibt der Analyst, der schaut, was es bringt und wie’s weiter gehen soll.
Eine Stadt, die es im Laufe eines Jahres nicht hinbekommt, auch nur die Fensterscheiben der verwaisten Ladenlokale zu putzten, der traut er auch sonst wenig Entwicklungspotential aus eigener Kraft zu. Wie was ändern? Die Stadt sollte eigene Förderprogramme auflegen und mit Bürgschaften Erfolg versprechenden Invest ermöglichen. Und nochmal: Weder Ehrenamt noch Verwaltungsgeist holen diese Stadt aus der Lethargie – nur Kreativität im kleinen und Untemnehmergeist im großen Rahmen kann helfen. Und nebenbei: Alles ein Warsteiner Problem? – irgendwie schon: Heumüller kann Art und Weise des städtischen Umgangs mit der Brauerei ebenso wenig nachvollziehen wie die starre Unveränderlichkeit der Schaufensterauslagen.
Die aktuellen Bankenfusionen werden bänkerisches Engagement in die neuen Zentralen entführen – da ist er sicher. Insbesondere in Sachen Sparkasse hätte er sich gewünscht, dass das neue Konstrukt verbrieften Pflichten vor Ort nachzukommen hat, z.B. im Rahmen der Sport- und Wirtschaftsförderung. Heumüller befürchtet, dass Volksbank- und Sparkassengelder vornehmlich in Soest und Lippstadt oder für den Gesamtkreis verwendet werden und fürchtet Konsequenz daraus z.B. für Veranstaltungen wie das “Warsteiner Abendsportfest”.
“Ich habe niemandem etwas getan!”
Wer mit Werner Heumüller spricht, der spürt das Drängen der Geister, die ihn bestimmen. Was ihn umtreibt ist höchste Loyalität, ein fast zu großes Verantwortungsgefühl für zu viele Dinge, penible Verlässlichkeit und ein schon zwanghafter Drang, Dinge nicht nur zu planen sondern auch anzupacken und umzusetzen. Was ihn dabei heute erfolgreicher als früher macht: “Ich bin innovativer & kreativer geworden!” Das schätzen nicht nur die rund 200 Mitarbeiter der Wagu-Gruppe im Wästertal, das schätzt man auch in München.
“Ich habe ein Händchen für Menschen!”
Werner Heumüller liebt Menschen! Sein Wunschbaum-Projekt z.B.: Hier konnten Warsteiner in der Vorweihnachtszeit erfüllbare Wünsche in den Briefkasten werfen. Spielzeug für die Kinder, ein nicht finanzierbarerer Friseurbesuch und sonstiger Alltagskram, worauf in Heumüllers Wertewelt niemand verzichten müssen sollte – gerade Weihnachten nicht! Eine Welt, in der Menschen neben ihm Not leiden, ohne dass er es ändern könnte, das ist nicht Heumüllers Welt.
Gut vielleicht hat er den Volksbank-Mitgliedern 1989 die Dividende versaut, das war’s dann aber auch. Als personifizierte Bankenkrise sollte Werner Heumüller nicht in die Warsteiner Geschichtsbücher Einzug halten.
Udo Schmallenberg für www.soester-anzeiger.de
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Kommentar by Roland Ogwin — Donnerstag, 17 November, 2011 @ 5:05