F800S auf dem Tremalzo-Pass

Abgelegt unter: Allgemein — usch

Es gibt Dinge, die sollte man als Motorradfahrer mal gemacht haben. Dazu gehört auch, einmal den Tremalzo-Pass am Gardasee zu meistern. Allerdings: Ich hätte das machen sollen, als ich noch Enduro fuhr. Mit der BMW F800S war das eine ziemlich dramatische Geschichte.

Der Tremalzo-Pass überwindet die den Gardasee umgebenden 2000er Richtung Westen und sollte es dem italienischen Millitär erlauben, schweres Gerät zu transportieren und die Bedeutung der festung Trient zu erhöhen. Der Weg wurde recht unkonventionell in den Fels gehauen und nimmt bis zu 14 % Steigung auf.

Der für den öffentlichen Verkehr gesperrte Pass ist auf der Südrampe durchgehend geschottert, wird mehr schlecht als recht unterhalten und ist nur einspurig befahrbar. Es gibt keine Wendemöglichkeiten oder Ausweichbuchten. Anfang August 2009 besorgte ich mir eine Sondergenehmigung beim Bürgermeister von Tremozine und nahm den Pass in Angriff. Wohlgemerkt mit einer orginalen BMW F 800 S.

1

Bis zum letzten Parkplatz ist der Pass schön aber unspektakulär. Nach dem Durchfahrt-Verboten-Schild kommt es aber sofort knüppeldick, da der Untergrund nie sauber geschottert ist sondern immer mehr aus ausgewaschenem Felsgrund besteht. Sicherung zum Abhang Fehlanzeige. Immer wieder hindern große Gesteinsbrocken einen zügigen Fahrfluss der aber teilweise nötig ist, um bei der durchgehend gleichmäßigen Steigung nicht stecken zu bleiben. Die Tunnel sind wüste Löcher, die Beklemmungen hervorrufen, fast schlimmer als die gähnenden Abhänge.

2

Nur rund 1000 Meter vor dem Gipfel muss ich aufgeben – ein besonders steiles Stück erfordert tüchtig Schwung, besteht aber nur aus ausgewaschenem Fels ohne jede Sicherung zum jäh abfallenden Abgrund. Es gibt keine höheren Gipfel mehr, nur der Tremalzo ist noch über mir.

Bis hierher war ich gut 1,5 Stunden auf Schotter und auf den Rasten stehend unterwegs. Die Handgelenke schmerzen und die Oberarme zittern. Die BMW bläst aus allen Ventilatoren. Vorm Fahrvermögen und von den Möglichkeiten der BMW her gesehen könnte es noch weitergehen, aber ich hab schlichtweg Schiss, denn ohne theatralisch zu wirken: Ein Fahrfehler hier könnte tödlich sein – und das ist es mir dann doch nicht wert.

4

Ich wende auf der engen Fahrbahn und habe auf dem Scheitelpunkt des Manövers ein absolut mulmiges Gefühl. Die BMW ist beim Einparken vor dem Aldi schon kein Handlingwunder, aber an einem steilen Hang auf Fels zu stehen und vor sich 300 Meter Luftinie zum nächsten Erdkontakt ist schon beeindruckend.

3

Bergab verfluche ich das ABS an der Hinterradbremse. Insbesondere auf den reinen Felspassagen drückt das Moped mit seinen 200 kg doch ungestüm talwärts. Ein stehender Hinterradreifen wäre mir definitiv lieber gewesen. Mit ABS komme ich mir vor wie eine Lawine…Mittlerweile hat’s 30 Grad und mir fließt es aus der Lederjacke.

Nach gut 2 Stunden harter Arbeit ausschlließlich im 1. Gang steh ich wieder im Tal. Um einige Erfahrungen reicher…

http://de.wikipedia.org/wiki/Tremalzopass

Teile und geniee:
  • Digg
  • Sphinn
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Mixx
  • Google Bookmarks

5 Kommentare »

  1. Da wäre ein Kriechgang im Motorrad ganz praktisch gewesen, aber ich habe schon eine reine aber leichte Enduro scheitern sehen, weil die Piste einfach zu steil und der Untergrund zu lose war, im Ötztal von Umhausen nach Farst die Piste hoch.
    Also wäre eine Enduro auch nicht immer die richtige Wahl.

    Kommentar by Frank — Dienstag, 1 September, 2009 @ 21:38

  2. Hi, Drehmoment im ersten gang war nicht das Problem, vielmehr die Grundgeschindigkeit die du brauchtest, um mit dem 180er Puschen überhaupt irgendeinen Grip zu haben

    grüße Usch

    Kommentar by Brennholz — Mittwoch, 2 September, 2009 @ 17:04

  3. Das meinte ich mit dem Kriechgang, denn Drehmoment alleine nützt da nichts, weil das nur den Splitt wegfegt aber keinen Vortrieb mehr bringt.

    Mehr Gewicht auf’s Hinterrad (‘ne fette Sozia z.B.)und mit schleifender Kupplung sachte anfahren und wenn das Drehmoment für die Steigung reicht, müsste was gehen.
    Aber solche Pässe sind echter Horror :-)

    Der Passo dell’Umbrail beim Stilfser Joch ist dagegen noch leicht oder damals der Splügenpass als er noch nicht ausgebaut und geteert war.
    Jetzt ist wieder Motorradzeit, es ist nicht mehr so heiß.

    Kommentar by Frank — Mittwoch, 2 September, 2009 @ 17:17

  4. Hör auf, ich würd am liebsten gleich wieder los ;-) – Umbrailpass, Gavia, Stilfser Joch bin ich alles gefahren dies jahr.. find ich deutlich besser als diese ganzen Südtiroler Touristenrouten…

    grüße USch

    Kommentar by Brennholz — Mittwoch, 2 September, 2009 @ 17:24

  5. Hallo Usch,
    Du hast Deine Martertour erfreulich realistisch dargestellt. Nicht jeder muß alles können, zumal mit einem ungeeigneten Untersatz.
    Kannst Du mir bitte verraten, ob Dir für die Genehmigung Kosten entstanden sind und ob Du einen Übernachtungsnachweis von Tremosine beibringen mußtest.

    Viele Grüße
    Peter

    Usch: Hi Peter, das war keine Martertour, das hat irgendwie auch Spaß gemacht ;-)

    Nein: Genehmigung ist kostenlos und wurde mir von der Hotelwirtin besorgt. Ich denke aber, dass du auch so beim Bürgermeister anklopfen kannst

    Kommentar by Peter — Dienstag, 9 März, 2010 @ 13:43

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

Powered by WordPress - Brennholz - Verbraucherschutz